Guten Morgen!

“Technologieoffenheit” ist Bullshit und das Geschlecht bestimmt die eigene Gesundheit - ja, das ist (leider) ernst gemeint. Was wir damit meinen? Das liest du heute im Morgenmoment, geschrieben von Sebastian Panny und Sanna Hätönen.

#1 Möchtest du das teilen?

Markus Marterbauer ist Finanzminister und designierter Vizekanzler. Ein Glücksfall für Österreich, mein Natascha Strobl. Ist Marterbauer doch, zur Abwechslung, ein ausgewiesener Experte seines Fachs. Die konservative Presse geht trotzdem, oder gerade deswegen, die Wände hoch. Unsere Kolumnistin kommentiert, was da gemacht wird.

#2 Spin des Tages

"Technologieoffenheit" wirkt sachlich und wird mit positiven Eigenschaften wie “Freiheit”, “Fortschritt” oder “Wettbewerbsfähigkeit” verbunden. Dagegen kann doch niemand sein. Oder?

Politik und Industrie nutzen dieses Gefühl, um “Technologieoffenheit” als Verzögerungstaktik einzusetzen. Seit 2021 verwenden sie den Begriff immer häufiger, um Stimmung zu machen und echte Lösungen zu verschleppen, wie eine neue Analyse des KONTEXT-Insituts zeigt.

Das konnte man etwa beim Verbrenner-Aus beobachten, das eigentlich EU-weit ab 2035 beschlossen wurde. Konservative Parteien wehrten sich dagegen. Man müsse "offen" sein und es dürfe keine "Denkverbote" geben. Auch die Industrie trommelte den Begriff der “Technologieoffenheit immer wieder. Das Verbrenner-Aus wurde schließlich gekippt. Die alte Technologie, die viel CO₂ und Abgase verursacht, darf bleiben. Ein kurzfristiger Erfolg für gewisse Industrie-Zweige. Langfristig schadet uns das allen.

Mit dem Begriff der “Technologieoffenheit” streuen Politik und Industrie Unsicherheit über bereits bestehende Technologien und werten Alternativen ab. “Wir müssen offen gegenüber Neuem sein” heißt nämlich auch: Bereits etablierte Technologie ist nicht gut genug. Dabei ist sie das aber. Oft argumentieren sie dabei auch für Scheinlösungen, die in Zukunft ganz einfach all unsere Probleme lösen sollen. Spoiler: tun sie nicht.

Wir wissen bereits was zu tun ist. Wir haben auch die nötigen Technologien dazu. Alleine an der Umsetzung mangelt es.

Wann immer du den Begriff “Technologieoffenheit” hörst, sollte dir also bewusst sein: Er ist Bullshit. Es geht nicht um neue Technologien, sondern um das Verschleppen von echten Lösungen für kurzfristige Ziele und Profite.

Dagegen hilft: Klar zu sagen, dass wir dadurch wertvolle Zeit verlieren. Auf Technologien hinweisen, die bereits wirken. Und erklären, dass uns nicht eine einzige “Super”-Technologie retten wird. Sondern immer eine Vielzahl an Maßnahmen und Lösungen - nicht nur technologische.

#3 Ignoriert

Ärzt:innen betreuen Männer besser als Frauen. Das bestätigt eine Studie, in der Forscher:innen 38 medizinische Forschungsarbeiten untersucht haben. In 33 davon erhalten Frauen keine aktive Behandlung, Männer hingegen schon.

Bei akuten Herzerkrankungen bekommen Frauen häufiger Medikamente. Männer werden häufiger operiert und bekommen einen Bypass oder Stent. Bei Parkinson erhalten Männer häufiger einen Hirnschrittmacher als Frauen. Im Fall eines Nierenversagens bekommen Frauen seltener eine Transplantation als Männer.

Frauen bekommen auch seltener schmerzlindernde Medikamente verabreicht. Und das, obwohl sie weitaus häufiger über körperliche Schmerzen berichten. Frauen sind öfter von ‘Medical Gaslighting’ betroffen: Symptome werden auf Ängste zurückgeführt, auch wenn Testergebnisse anderes sagen. Ärzt:innen machen auch häufiger Diagnose-Fehler bei Frauen.

Teilweise werden Frauen bewusst anders therapiert. Beispielsweise, weil andere Medikamente bei Frauen weniger Nebenwirkungen hervorrufen als das “Standard-Medikament” - und das ist auch gut so. Bei den untersuchten Studien gab es jedoch keine Hinweise darauf, dass ein geschlechtsspezifischer Behandlungsansatz nötig wäre. Ärzt:innen behandeln Frauen also anders als Männer - auch, wenn es medizinisch keinen Grund dafür gibt. 

Die Gendermedizin versucht, diese Probleme sichtbar zu machen und zu lösen. Das Geschlecht sollte nicht über die Gesundheit bestimmen. Alle sollten die beste Behandlung bekommen.

Einen schönen letzten warmen Tag vorm Herbstbeginn wünschen dir

Sebastian und Sanna

Unterstütze MOMENT.at

MOMENT.at arbeitet unabhängig von Parteien, Banken und Konzernen. Damit das möglich ist, brauchen wir die Hilfe möglichst vieler Menschen. Alle Möglichkeiten, uns zu unterstützen, findest du hier. Jeder Euro macht einen Unterschied. Danke!

Reply

Avatar

or to participate