Guten Morgen!

Jetzt ist der arme Peter Thiel also gecancelt. Also abgesehen davon, dass sich der rechtsextreme Milliardär jede Bühne der Welt kaufen könnte. Aber fix gecancelt. Das und mehr im neuen Cancelmoment, geschrieben von Sebastian Panny.

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Nix darf man mehr sagen. Sofort wird man gecancelt. Oder? Yasmin Maatouk und Jean-Philippe Kindler sprechen in der neuen ZÜNDSTOFF-Folge über vermeintliche Cancel Culture und wer tatsächlich zensiert wird:

#2 Spin des Tages

In Österreich gibt es seit 2011 eine Flugabgabe. Fluglinien müssen dabei pro Passagier:in eine Gebühr zahlen. 2020 wurde sie für Langstreckenflüge bei 12 Euro und für einfach zu vermeidende Strecken unter 350 km bei 30 Euro festgelegt.

Fluglinien und Flughafenbetreiber fordern jetzt, dass die Regierung diese Abgabe senkt oder ganz abschafft - möglicherweise mit Erfolg. Dabei ist die Flugabgabe aktuell sogar zu niedrig, weil sie nie an die Inflation angepasst wurde. 2025 nahm der Staat durch die Flugabgabe 179 Millionen Euro ein. Mit laufender Inflationsanpassung wären es alleine in diesem Jahr um 90 Millionen Euro mehr gewesen, so eine Berechnung des Momentum Instituts.

Vor allem AUA und Ryanair machen Druck auf die Politik. Ihr von der Realität bereits widerlegtes Argument: Senkt man die Kosten, würden die Menschen mehr fliegen, und die staatlichen Einnahmen aus der Abgabe würden steigen. In der Vergangenheit ist das Gegenteil passiert. 2018 hat die Regierung die Abgabe für kurze Zeit halbiert. Die Steuereinnahmen brachen daraufhin ein.

Auch ohne Budgetlöcher wäre eine Abschaffung oder Kürzung der Ticketabgabe ein Fehler. Fliegen ist steuerlich bereits in mehrerer Hinsicht begünstigt - etwa gegenüber dem Zugfahren. Obwohl es die klimaschädlichste Fortbewegungsart ist. Für mehr Klimagerechtigkeit sollte die Ticketabgabe daher steigen statt sinken, empfiehlt das Momentum Institut. Außerdem sollten die Regierung und die EU die steuerlichen Begünstigungen von Kerosin und der Mehrwertsteuer auf Flüge abschaffen.

#3 Frechheit des Tages

Der Arbeitskampf in der Chemiebranche geht weiter. Kommende Woche werden Betriebe bis zu acht Stunden streiken. Bereits vergangene Woche haben Arbeitnehmer:innen mehrere Warnstreiks abgehalten, weil Arbeitgeber ein lächerliches Angebot für einen neuen Kollektivvertrag vorgelegt haben, der seit 1. Mai 2026 gelten sollte.

Diese Woche haben sie ihr Angebot “verbessert”, weniger lachhaft wurde es nicht: In der letzten Verhandlungsrunde waren sie dazu bereit, Löhne und Gehälter um 0,5 Prozent anzuheben und eine Einmalzahlung von 300 Euro zu zahlen. Das Alternativangebot war eine zweiprozentige Abpassung von Gehältern und Löhnen, allerdings geltend von Oktober 2026 bis April 2028. Laut Gewerkschaft entspricht das einer jährlichen Erhöhung von gerade einmal 0,79 Prozent.

Dabei ist es schon irreführend, von einer “Erhöhung” zu sprechen. Die Inflation von Mai 2025 bis April 2026 lag in Österreich bei 3,37 Prozent. Die angebotene Inflationsanpassung käme also einer Lohnkürzung von mindestens 2,5 Prozent gleich. Dabei ist die Industrieproduktion in der chemischen Industrie von 2024 auf 2025 um mehr als 10 Prozent gestiegen - wesentlich mehr als der Industrieschnitt von 3,6 Prozent. Die Gewerkschaft hat ihre Forderung in der letzten Runde von 3,5 Prozent auf 3 Prozent gesenkt. Sie vertritt rund 50.000 Beschäftigte in der Chemiebranche.

#4 MOMENT Live

In unserer wöchentlichen Live-Show (Mittwoch um 18 Uhr) ging es diesmal neben den Arbeitskämpfen in der chemischen Industrie und einer “interessanten” Argumentation der Staatsanwaltschaft Wels vor allem um nicht zurückgezahlte Bankenförderungen:

Du kannst die Videos immer auch hier auf Youtube nachsehen.

Schönes Wochenende

Sebastian

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