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Chefschuhe putzen? Geht's noch?

Guten Morgen!
Lehrlinge putzen auch 2026 noch Chefschuhe, Banken jammern über höhre Abgaben und junge Frauen wählen immer öfter rechts. Als Praktikant bei MOMENT.at kann ich versichern: Ich, Simon Altorff, putz hier niemandes Schuhe! Stattdessen präsentiere ich dir heute deinen Morgenmoment!
#1 Möchtest du das teilen?
Immer wird über die frustrierten jungen Männer als Wählerbasis der extremen Rechten geredet. Dabei wird eine Gruppe übersehen: Frauen. Warum die immer öfter extrem rechts wählen und was man dagegen tun kann, kommentiert Natascha Strobl.
#2 Der Reihe nach
Eine Befragung von 6.100 Lehrlingen im aktuellen Lehrlingsmonitor 2026 zeigt alarmierende Zustände: Viele Lehrlinge putzen Schuhe, erledigen Einkäufe oder malen das Haus des Chefs aus. Jeder fünfte Lehrling muss häufig Tätigkeiten verrichten, die nichts mit der Ausbildung zu tun haben - obwohl das klar verboten ist.
Auch bei den Arbeitszeiten wird die gesetzliche Grenze von 40 Stunden pro Woche regelmäßig überschritten. 12 % der Lehrlinge arbeiten zwischen 41 und 44 Stunden, 3 % sogar 45 Stunden oder mehr.
Mehr als ein Drittel aller Lehrlinge erlebt Mobbing im Betrieb. Weibliche Lehrlinge sind dabei häufiger betroffen als männliche (41 % vs. 34 %), ebenso Lehrlinge, die zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen (43 % vs. 36 %). Sexuelle Belästigung trifft vor allem weibliche Lehrlinge (24 % vs. 3 %), während Androhung von Gewalt häufiger männliche betrifft (15 % vs. 4 %).
Die allgemeine Zufriedenheit mit der Ausbildung sinkt seit Jahren. Derzeit würden nur noch 50 % der Befragten denselben Beruf und Betrieb nochmals wählen – 2021 waren es noch 58 %. Die Hälfte aller Lehrlinge hat bereits ernsthaft darüber nachgedacht, die Ausbildung abzubrechen.
Die Österreichische Gewerkschaftsjugend fordert daher konkrete Verbesserungen: verpflichtende Aufklärung der Lehrlinge über ihre Rechte, eine Verkürzung der Normalarbeitszeit, ein Mindesteinkommen von 1.000 € brutto über alle Kollektivverträge hinweg sowie zwei Wochen bezahlte Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung.
Parallel dazu bilden Unternehmen deutlich weniger Lehrlinge aus als früher. Laut Arbeiterkammer und Gewerkschaft gab es 2025 unter 28.000 neue Lehrlinge – rund 10.000 weniger als noch vor 20 Jahren.
#3 Besser geht doch
Die Rettung der Banken nach der Krise 2008 hat Steuerzahler:innen in Österreich insgesamt 10,8 Milliarden Euro gekostet. Seither haben die Banken über eine Abgabe zwar 5,3 Milliarden zurückgezahlt, doch 5,5 Milliarden fehlen noch immer. Für künftige Krisen gibt es weiterhin keinen Polster.

Trotzdem fordert WKO-Bankenspartenchefin Eva Landrichtinger im Ö1 Morgenjournal jetzt das Ende der Abgabe. Dabei wäre eine Erhöhung sinnvoll, denn die Abgabe kratzt nicht einmal die Rekordgewinne der Banken seit 2022 an. Von seither 33 Milliarden Profit wanderten nur 0,4 Milliarden über die Abgabe an den Staat.
Während die österreichische Bevölkerung durch Teuerung und Budgetsanierung überproportional belastet wurde, blieben die Übergewinne der Banken weitgehend unangetastet. Eine stärkere und gerechtere Besteuerung hätte die Menschen spürbar entlasten können.
Dass das möglich ist, zeigen andere europäische Länder: 12 EU-Staaten haben ihre Bankensteuern als Reaktion auf Übergewinne erhöht oder neu eingeführt. Wenn Österreich die Abgabe auf das Durchschnittsniveau anheben würde, würde das rund 850 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr bringen – ein Achtel des aktuellen Sparpakets.
Einen angenehmen Dienstag wünscht,
Simon
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