
Guten Morgen!
Brennende Hochmoore gefährden das Weltklima und Verbriefungen von Krediten für KI-Rechenzentren die Weltwirtschaft. Das und mehr erfährst du im heutigen Morgenmoment von Nasim Neghabat.
#1 Möchtest du das teilen?
Was mit den Krediten für neue KI-Rechenzentren passiert, weckt Erinnerungen an die Weltfinanzkrise 2008. Wie ähnlich sich die Fälle sind, erklärt Leonhard Dobusch in dieser Ausgabe “Märkte, Macht & Mythen”.
#2 In was für einer Welt leben wir eigentlich?
Seit vergangenem Freitag brennt Belgiens größtes Naturschutzgebiet, das “Hohe Venn” an der deutsch-belgischen Grenze. Am Wochenende kam es wegen starker Rauchbildung zu den ersten Evakuierungen auf belgischer Seite. Auf der deutschen Seite bereiten sich Menschen auch auf eine Evakuierung vor.
Das Hohe Venn ist kein Wald, sondern ein Hochmoorgebiet und Heideland. In den nassen Mooren entsteht aus alten, abgestorbenen Pflanzenresten Torf. Weil es dort so nass ist, gibt es kaum Luft und Sauerstoff und die Pflanzen verwesen nicht richtig. Trocknen diese Torfböden nun aus, können sie sich extrem leicht entzünden. Das Feuer brennt nicht nur an der Oberfläche, sondern frisst sich als unsichtbarer Schwelbrand tief durch die Torfschichten. Noch Wochen später können wieder Glutnester an die Oberfläche geraten und neues Feuer entfachen.
Brände in Mooren sind besonders fatal, denn Moorökosysteme sind selten geworden. In vielen europäischen Ländern wurden sie für landwirtschaftliche Nutzung entwässert oder oder Torf abgebaut - und damit zerstört.
Moore dienen aber als wichtige Kohlenstoffspeicher, da sie in den Torfböden seit Jahrtausenden hinweg gigantische Mengen CO2 aus der Atmosphäre binden. Werden Moore zerstört - egal ob durch Entwässerung oder einen Brand - kehrt sich dieser Effekt um. Sie wandeln sich von einem Kohlenstoffspeicher in eine der weltweit größten Quellen für Treibhausgase.
Deswegen ist es wichtig, bestehende Moore zu erhalten und geschädigte Moore in einen möglichst natürlich Zustand zurückzubringen. Wie das funktioniert, haben wir uns 2024 in einer Doku über Renaturierung angesehen. Du findest sie hier.
#3 Frechheit des Tages
Es gibt ein neues Update für die umstrittenen Meta-Glasses. Künftig kann man ganz einfach ein möglichst emotionales, fertig geschnittenes Video erstellen lassen - dafür wird Gesichtserkennung genutzt, Emotionen werden analysiert und deine Kontakte mit dem Videomaterial abgeglichen. Wir haben vier Argumente, warum du die Brillen trotzdem - oder gerade deshalb - nicht nutzen sollst.
Missbrauch der Privatsphäre: Die Nutzung von Meta-Glasses macht es immer leichter, Menschen unbemerkt und ohne ihre Einwilligung zu filmen. Dabei werden Meta-Glasses immer modischer, die Kamera wird immer kleiner und unscheinbarer. Das kleine Aufnahmelicht wird manchmal abgeklebt oder abgedreht.
Internettrend “männliche Gewalt”: Es gibt Internettrends, in denen vor allem Männer Frauen heimlich filmen. Sie sprechen sie auf der Straße an, flirten teilweise mit ihnen, sexualisieren sie und laden das Videomaterial dann auf Social Media hoch - natürlich ebenfalls ohne Zustimmung. Die Brillen werden also insbesondere von Männern auf eine sexistische und frauenfeindliche Art und Weise genutzt.
Ausbeutung für AI-Training: Die Brille kann zwar ohne Meta AI App verwendet werden, der Video-Content jedoch ohne App nicht heruntergeladen werden. Die meisten User:innen werden also die App verwenden. Und diese benötigt die Zustimmung, dass der Content für AI-Trainingszwecke verwendet werden darf. Bevor Inhalte einer AI verfüttert werden, müssen Menschen (sogennante Data Worker) diese Inhalte sichten und prüfen. Diese Personen sichten auch sexuelle Inhalte, Gewalttaten oder private Angelegenheiten und werden sehr oft finanziell ausgebeutet. Über ihre schlechten Arbeitsbedingungen haben wir hier berichtet.
Von Datenschutz keine Spur: Für Nutzer:innen ist es zudem kaum nachvollziehbar, wohin das Videomaterial gelangt, wer darauf zugreifen kann und was damit geschieht. Aufnahmen, die in der Gallerie von Smartphones gespeichert werden, können je nach Einstellungen auch an Google-, Apple- oder Facebookserver weitergeleitet werden. Mitarbeiter:innen dieser Unternehmen haben unter Umständen Zugriff auf die entsprechenden Medien. Eine Weitergabe an Strafverfolgungsbehörden ist ebenfalls möglich. Und mit den neuen Updates werden noch mehr Daten gesammelt.
Einen schönen Dienstag wünscht
Nasim Neghabat
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