
Guten Morgen!
Eine parasoziale Beziehung mit einem AfD-Politiker, eine Hinrichtung mit Livestream und unfreiwillige Teilzeit – das klingt dystopisch, das wissen wir. Aber darüber Bescheid zu wissen, hilft uns, Unrecht zu verstehen und dagegen anzukämpfen. Deswegen ordnen wir ein im heutigen Morgenmoment von Lisa Duschek und Sanna Hätönen.
#1 Möchtest du das teilen?
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, postet ein Foto auf Instagram. Mit seiner Frau und Freunden am und Wurstgulasch auf dem Tisch - ganz “normal” wirkt er. Wie “einer von uns”. Manche sehen darin seinen Wahlerfolg. Doch das ist zu einfach, analysiert Barbara Blaha in der zweiten Ausgabe ihres neuen Newsletters “Abendseiten”.
Die ersten drei Ausgaben sind für alle zugänglich. In Zukunft werden die “Abendseiten” für alle Menschen kostenlos verfügbar sein, die MOMENT.at als Fördermitglied regelmäßig unterstützen.
Hier kannst du den Newsletter lesen und abonnieren.
#2 In was für einer Welt leben wir eigentlich?
Nidal Hasan, der 2009 im texanischen Fort Hood 13 Menschen erschoss, soll am 3. Dezember durch ein militärisches Erschießungskommando getötet werden – inklusive Liveübertragung. Es wäre die erste Militärhinrichtung in den USA seit mehr als 60 Jahren. Die US-Regierung will damit eine Botschaft an die ganze Welt senden. Weil Hasan seine Tat mit dem US-Militäreinsatz in Afghanistan begründete, soll seine öffentlich inszenierte Tötung als Warnung vor islamistischem Terror dienen. Doch kein Motiv der Welt rechtfertigt es, eine Hinrichtung zum öffentlichen Spektakel zu machen.
Trump holt damit eine Praxis zurück, die beim US-Militär seit 1945 nicht mehr angewendet wurde. Die USA reihen sich so in eine Liste mit Staaten wie Nordkorea, Saudi-Arabien und Somalia ein, über die sich Trump und seine Parteikolleg:innen gerne moralisch erheben.
Es ist ein weiterer Schritt weg von einer menschenrechtsbasierten Demokratie, hin zu einer Dystopie, in der ein ehemaliger Reality-TV-Star Menschen vor laufenden Kameras hinrichten lässt. Und so absurd und weit weg das wirken mag: Trump und die Republikaner dienen auch in Europa als politische Vorbilder.
#3 Besser geht noch!
Mama wird’s schon richten. Wenn die Betreuung fehlt, reduzieren meistens Frauen ihre bezahlten Arbeitsstunden. Damit jemand die Kinder abholt, verzichtet jemand auf eigenes Geld. Ein Kindergartenplatz allein löst dabei das Problem noch lange nicht.
Vor allem am Land gibt es zu wenige Kindergartenplätze, die lang genug offen sind. 9 von 10 Kindern, die zwischen 3 und 5 Jahre alt sind, besuchen einen Kindergarten. Vollzeit-Arbeit geht sich für die meisten der Eltern trotzdem nicht aus. Denn Öffnungszeiten und Ferien entscheiden mit, wie viel Eltern arbeiten können. In Wien sind 90 Prozent Vollzeit-Plätze in Wien. In Oberösterreich sind es hingegen nur 40 Prozent und in Kärnten 39 Prozent

Zum Kinder kriegen gehören zwei. Doch die Kinderbetreuung übernimmt zum größten Teil die Mama. Während sie dafür ihre Stunden verringert, kann der Papa weiter Vollzeit arbeiten. Ihre unbezahlte Arbeit hält ihm den Rücken frei. Die Einkommenslücke begleitet sie dann ihr Leben lang und kostet sie fast 1 Million Euro. So weit liegen Mutter und Vater beim Lebenseinkommen durchschnittlich auseinander.
Karenz, Teilzeit und schlechtere Bezahlung der Mütter wirken zusammen. Vom Reden über “Lifestyle-Teilzeit” bleibt kein Kindergarten länger offen. Wer Vollzeit fordert, muss verlässliche Kinderbetreuung ermöglichen. Kostenfrei und mit gut bezahltem Personal. Und auch Väter müssen ihren Teil der Betreuung übernehmen.
Einen angenehmen Start in die Woche
Lisa und Sanna
Unterstütze MOMENT.at
MOMENT.at arbeitet unabhängig von Parteien, Banken und Konzernen. Damit das möglich ist, brauchen wir die Hilfe möglichst vieler Menschen. Alle Möglichkeiten, uns zu unterstützen, findest du hier. Jeder Euro macht einen Unterschied. Danke!


