Guten Morgen!

Nach unten zu treten ist kein feiner Schachzug, trotzdem tun es FPÖ und die Kronen Zeitung. Wir blicken auch in diesem Morgenmoment nach oben und nach vorne. Lisa Wohlgenannt schreibt dir heute.

#1 Möchtest du das teilen?

Die FPÖ ist 2026 eine andere als bei den letzten Regierungsbeteiligungen. Sie ist selbstbewusster, radikalisierter und international neu aufgestellt. Was das bedeutet, analysiert Natascha Strobl in dieser “NatsAnalyse”.

#2 In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Es gibt massenhaft sexualisierte Deepfakes von Politiker:innen. Von 138 Politikerinnen und 9 Politikern aus EU-Mitgliedsstaaten wurden im Rahmen einer Studie im Web KI-generierte Nacktfotos und Pornos gefunden. Dabei gibt es viel weniger weibliche Abgeordnete. Demnach sind sie 33-mal häufiger betroffen.

Eine andere Studie zeigt, dass sich Frauen wegen sexualisierter Gewalt aus dem Netz zurückziehen. Zwei Drittel schränken die Nutzung von Online-Diensten ein. Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es sogar drei Viertel.

Wegen sexualisierter Darstellungen, Drohungen und Belästigungen teilen sie etwa weniger Fotos oder Informationen. Das verzerrt im Web den Blick auf die Wirklichkeit. Frauen (und Minderheiten) werden weniger sichtbar. Andere Gruppen und ihre Inhalte überrepräsentiert. Aus sexualisierter Gewalt wird so öffentliche Macht.

Expert:innen und Betroffene fordern ein rasches, strenges Vorgehen gegen (sexualisierte) Gewalt im Netz.

Auf EU-Ebene soll der “Nudifier-Ban” demnächst davor schützen, dass ohne Zustimmung realistische intime Bilder erzeugt werden. Der Digital Service Act verpflichtet Plattformen außerdem, gegen illegale Inhalte vorzugehen und einfache Beschwerdeverfahren zu ermöglichen. In Österreich wird das Sexualstrafrecht gerade ausgewertet. Neue Gesetze gegen KI-generierte sexualisierte Deepfakes sollen kommen. Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) hatte erst vor wenigen Monaten die Förderungen für die Hass-im-Netz-Meldestelle des Vereins ZARA gekürzt. Zwei SPÖ-Ministerien mussten zur Rettung einspringen.

#3 Gegengelesen

Ein Titel mit Vorspann aus der Kronen Zeitung ist zu sehen. Dort steht "Ministerium 'trickst' mit Steuererhöhung. Brisanter 'Finanzierungsvorschlag' für Maßnahme gegen Kinderarmut". Der ist rot durchgestrichen. Darunter steht auf rotem Hintergrund: "Die Krone für die reichsten 0,1% - und gegen Kinder in Armut"

Die SPÖ will Unterstützung für armutsbetroffene Familien erhöhen. Finanziert werden soll das mit höheren Steuern für Spitzenverdiener:innen. Der Spitzensteuersatz von 55 Prozent soll bereits ab 500.000 Euro brutto im Jahr fällig werden statt wie bislang ab 1 Million Euro. 

Es geht dabei um den Kindermehrbetrag. Den will die SPÖ von 700 auf 1.000 Euro pro Jahr erhöhen. Der kommt jenen Menschen zugute, die ein so niedriges Einkommen haben, dass der sogenannte “Familienbonus Plus” nicht voll greift. Mit dem sparen Familien 2.000 Euro Steuern pro Jahr und Kind. Doch Familien mit so wenig Einkommen, dass sie nicht einmal 2.000 Euro Steuern zahlen, haben davon weniger oder gar nichts. Da hilft der Kindermehrbetrag gegen Kinderarmut. 

Die Krone behauptet, das Finanzministerium “‘trickst’ mit Steuererhöhung” und hätte in das Gesetz einen “brisanten Vorschlag ‘gemogelt’. Nichts davon stimmt. Es ist ein völlig normaler politischer Vorschlag, der komplett offen gemacht wurde.

Ein Jahreseinkommen von 500.000 Euro erreichen übrigens etwa 999 von 1.000 Menschen in Österreich nicht. Und erst darüber würde der Spitzensteuersatz greifen. Wer ein Einkommen von 501.000 Euro im Jahr hat, würde dadurch 50 Euro mehr an Steuern zahlen.

Einen schönen Mittwoch wünscht dir

Lisa

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