Guten Morgen!

Medien berichten immer weniger über Gewalt gegen Frauen und wenn, dann reden häufig Männer. Wir bemühen uns, aber der heutige Morgenmoment kommt trotzdem von Luca Niederdorfer, einem Mann …

#1 Möchtest du das teilen?

Was bringt es, wenn ich herausfinde, dass Angehörige meiner Familie NSDAP-Mitglied waren? Diese Frage beantwortet Simon Altorff in diesem - doch etwas persönlicheren - Text.

#2 In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Anfang April starb ein Arbeiter in einem Amazon-Lager im US-Bundesstaat Oregon nachdem er während der Arbeit kollabierte. Mehrere Kolleg:innen berichten, dass sie angewiesen wurden, wegzuschauen und weiterzuarbeiten. Es ist nicht der erste Todesfall in einem Amazon-Lager.

Der Konzern steht regelmäßig wegen mangelnder Sicherheit in der Kritik Arbeiter:innen berichten von lebensbedrohlichen Bedingungen. Schon im Sommer 2022 starben während einer Hitzewelle in New Jersey drei Arbeiter. Laut der US-Arbeitssicherheits-Behörde OSHA habe es keinen Arbeitsbezug gegeben. OSHA hat letzte Woche Ziele zur Anzahl der durchgeführten Hitze-Inspektionen aus ihrem Programm gestrichen.

Das Amazon-Lager in Oregon war schon vor dem jüngsten Vorfall berüchtigt. 2018 hat dort ein Viertel der Arbeiter:innen Verletzungen erlitten. Die Quote an Arbeitsverletzungen ist bei Amazon doppelt so hoch wie im Branchenschnitt. Der Konzern geht währenddessen konsequent gegen die Bildung von Gewerkschaften vor. Arbeiter:innen wird mit der Kündigung gedroht, um den Zusammenschluss zu verhindern. Doch es gibt zumindest kleine Erfolge zu verzeichnen. Eine US-Behörde hat vor Kurzem erstmals entschieden, dass Amazon eine Gewerkschaft anerkennen muss. Der Prozess lief über vier Jahre – Amazon kündigte Einspruch an. Die Entscheidung könnte zum Vorbild für zukünftige Arbeitskämpfe werden.

#3 Ignoriert

Ein neuer Bericht zeigt, dass in den letzten zehn Jahren nie so wenig über Gewalt an Frauen berichtet wurde, wie jetzt. Trotz extrem vieler Vorfälle sexualisierter Übergriffe und Männergewalt gegen Frauen bekommt das Thema in den Medien kaum Aufmerksamkeit. Stattdessen kommen Begriffe wie “gender ideology” immer häufiger in vor.

Medien behandeln Vorfälle meistens als Einzelfälle und blenden die strukturelle Ebene von Männergewalt gegen Frauen aus. Sie legen den Fokus stattdessen oft auf Sensationalisierung und unwichtige Details. Die Perspektive der Opfer kommt meistens zu kurz. Stattdessen labern wieder einmal Männer, die in Beiträgen zu Frauenfeindlichkeit und Gewalt gegen Frauen eineinhalb mal so oft zu Wort kommen wie Frauen.

Der Bericht zeigt Lösungen für die medialen Probleme auf. Es braucht fokussierte und sensible Berichterstattung, die von Frauen geleitet wird und auf die Geschichten von Opfern und Überlebenden ausgerichtet ist. Berichte müssen außerdem die geschlechtsspezifische Ebene der Vorfälle explizit benennen. Das strukturelle Problem muss im Fokus stehen, nicht der einzelne Fall. Aufklärende und lösungsorientierte Berichterstattung, die die Gründe für patriarchale Gewalt aufzeigt und Hinweise auf unterstützende Initiativen können dabei helfen, geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen.

#4 Besser geht doch?

Wiederverwendbare Hygieneartikel wie Menstruationstassen und Perioden-Slips werden für junge Französinnen gratis. Mädchen und Frauen unter 26 bekommen künftig die Kosten von der Sozialversicherung zurückerstattet. Bei besonders Bedürftigen entfällt diese Altersgrenze. “Keine Frau und kein Mädchen sollte auf ihre Intimhygiene verzichten müssen: Es ist eine Frage von Gesundheit und Würde”, sagt die französische Gleichstellungsministerin Aurore Bergé.

Es geht dabei ausdrücklich nicht um Wegwerfprodukte wie Tampons. Das ist ein nachhaltiger Ansatz. Er setzt allerdings voraus, dass die Mädchen und Frauen die Möglichkeit haben, die Artikel zu reinigen. Bei wohnungslosen Menschen ist das nicht immer gegeben. Auch offen ist, ob auch trans Personen und nichtbinäre Menschen die Produkte erhalten. Es ist ein wichtiger Schritt gegen Periodenarmut. In den Details wird sich zeigen, ob er für alle gut ist.

Einen guten Start in die Woche wünscht dir

Luca

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