Guten Morgen!

Während Produktivität in den Unternehmen zunimmt, verteidigt die Medienbranche ihre Pfründe. Mehr dazu liest du in deinem Morgenmoment. Dieser kommt heute von Sebastian Panny und Nasim Neghabat.

#1 Möchtest du das teilen?

Mit der Medienförderung in Österreich erhält sich ein problematisches System aus profitorientierten Medien selbst. Das schwächt nicht nur den Wettbewerb, sondern auch die demokratische Vielfalt. Eine Reform soll endlich kommen. Doch es wird auch versucht, sie zu blockieren.

#2 In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Der wirtschaftliche Druck auf Betriebe steigt - und den geben sie an ihre Angestellten weiter. Das zeigt das Strukturwandelbarometer, eine Umfrage unter 1.500 Betriebsratsvorsitzenden.

Mehr als die Hälfte der Befragten gibt darin an, dass die Produktivität in ihren Unternehmen zugenommen habe. Das ist grundsätzlich gut … für die Unternehmen. Ein Problem ist es aber, wenn Produktivität auf Kosten der Beschäftigten steigt. Und laut 57 Prozent der Betriebsrät:innen ist der Arbeitsdruck auf ihre Kolleg:innen gestiegen.

Vier von zehn sagen auch: Es muss mehr Arbeit in derselben Zeit erledigt werden. Das bedeutet mehr Stress bei Mitarbeiter:innen. Gesund ist das nicht. Das zeigt sich an einer weiteren Antwort: Jede:r dritte Befragte sagt, dass die Anzahl und Dauer von Krankenständen gestiegen seien. Gleichzeitig gebe es auch mehr Druck, krank zu arbeiten. Das Arbeitsklima ist für 10 Prozent schlechter geworden.

Menschen auszuquetschen, kann kurzfristig zu mehr Produktivität führen. Nachhaltig ist es aber nicht. Der Arbeitsterror macht die Beschäftigten krank und auch die Leistung leidet - dann kann die Produktivität sogar sinken. Unsere gesetzliche Arbeitszeit ist grundsätzlich schon eher über diesem Limit. Besonders, wenn die Stunden immer intensiver werden. In vielen Studien zur Vier-Tage-Woche bleibt deshalb die Produktivität häufig gleich oder steigt sogar, auch wenn die Arbeitszeit sinkt.

Höhere Produktivität können Unternehmen mit Weitblick auch mit anderen Maßnahmen erreichen: etwa ein besseres Arbeitsumfeld, bessere Abläufe, Werkzeuge oder Weiterbildung.

#3 Spin des Tages

In Kalifornien hat die Arbeiterbewegung eine Volksabstimmung erzwungen. Im Herbst stimmt die Bevölkerung ab, ob das Vermögen von Milliardär:innen einmalig um 5 % besteuert wird. Die Steuer wäre zahlbar über fünf Jahre, sprich je 1 % Vermögenssteuer für fünf Jahre.

Betroffen wären rund 200 Milliardär:innen in Kalifornien, wo 39 Millionen Menschen leben. Für die Finanzierung der Allgemeinheit könnte das trotzdem einen enormen Unterschied machen. Wegen des obszönen Überreichtums dieser wenigen Menschen würde so eine Steuer geschätzt 100 Milliarden US-Dollar bringen.

Aber was wäre, wenn dann alle Milliardär:innen einfach wegziehen und Kalifornien dann sogar Steuereinnahmen aus deren Einkommen verliert? Gar nichts: Selbst wenn alle Milliardär:innen wegziehen, würde es 25 Jahre dauern, bis Kalifornien so viel Einkommensteuer verliert, wie sie durch diese einmalige Steuer einnehmen können.

Denn kalifornische Milliardär:innen zahlten im vergangenen Jahr zusammen nur rund 4,1 Milliarden Dollar Einkommensteuer. Bei einem gemeinsamen Vermögen von über 2 Billionen Dollar. Viele Vermögen bestehen nämlich aus unrealisierten Gewinnen. Das heißt: Aktien steigen im Wert, aber solange sie nicht verkauft werden, fällt kaum Einkommensteuer an.

Superreiche können aber Kredite mit ihrem Vermögen besichern. So finanzieren sie sich ihren Lebensstil und bereichern sich mit neuen Investitionen, ohne je gerechte Steuerbeiträge zu zahlen. Pech ist nur: Durch diese extreme Steuervermeidung wird eben auch der Wegzug zu einer ziemlich leeren Drohung.

Die eigentliche Frage ist: Warum werden riesige Vermögen und Vermögenszuwächse überhaupt so niedrig besteuert?

Ein wunderschönes Wochenende wünschen

Sebastian und Nasim

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