
Guten Morgen!
Für den eigenen Körper sollte sich niemand schämen. Bei den eigenen Aussagen und Handlungen ist das wiederum ein anderes Thema. Wer sich schämen und wohin die Scham wechseln sollte, liest du im heutigen Morgenmoment. Der kommt von Sebastian Panny.
#1 Möchtest du das teilen?
Immer mehr Fälle werden bekannt, in denen Männer ihre Partnerinnen teils über Jahre hinweg betäubt und vergewaltigt haben. Die Betroffenen hatten oft körperliche Symptome – aber niemand erkannte deren Grund. Zwei Fachleute erklären, was passieren muss, damit Ärzt:innen besser helfen können.
#2 Schamlos, Teil 1
Das niederländische Wörterbuch Van Dale nimmt das Wort “vulvalippen” als offizielle Bezeichnung auf. Bisher wurde auch im Niederländischen nur das Wort “schaamlippen” dafür verwendet. Aktivistische Gruppen wie Dolle Mina und Schamteloos haben jahrelang dafür gekämpft, dass sich eine neue Bezeichnung durchsetzt. Denn Vulvalippen haben nichts mit Scham zu tun.
Im Deutschen gibt es noch immer keine andere offizielle Bezeichnung für “Scham”lippen. 2018 gab es eine Petition an den Duden, das Wort durch “Vulvalippen” zu ersetzen. Was im deutschsprachigen Raum nicht geschafft wurde, haben die niederländischen Aktivist:innen jetzt erreicht. Im Herbst 2026 soll der Begriff erstmals im offiziellen Wörterbuch aufscheinen. In den Niederlanden wird “vulvalippen” in Medien und von Ärzt:innen immer häufiger verwendet. Die Aufnahme in das Wörterbuch ist auch eine Anerkennung dieser Entwicklung.
Es mag wie eine Kleinigkeit wirken - doch genau solche Kleinigkeiten prägen unsere Wahrnehmung. Und auch wenn man in den Niederlanden das Wort “schaamlippe” noch verwenden darf: Niemand muss sich für den eigenen Körper schämen.
#3 Schamlos, die Fortsetzung
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) sollte sich schon etwas schämen. Er hat sich nach einer Aussage vergangener Woche nun entschuldigen müssen. Auf seiner “Österreich im Gespräch”-Sommertour hat er einer Zuhörerin erklärt, dass Kinderbetreuung für ihn keine Arbeit sei. Als Service wollen wir gemeinsam mit Christian Stocker fünf Grafiken zu unbezahlter Care-Arbeit und ihren Folgen ansehen. Und wollen dabei bei den Basics beginnen: Ja, Eltern haben tatsächlich wesentlich weniger Freizeit als Menschen ohne Kinder!

Männer arbeiten häufiger in bezahlten Berufen. Allerdings leisten Frauen wesentlich mehr unbezahlte Arbeit. Zählt man beides zusammen, kommt heraus: Frauen arbeiten im Schnitt 1,5 Stunden mehr pro Woche als Männer.

Von dieser unbezahlten Arbeit ist ganz viel auf Kinderbetreuung zurückzuführen. Denn auf die Kinder, auf die muss auch wer aufpassen. Deswegen arbeiten Frauen oft in Teilzeit. Fast die Hälfte der Frauen, die in Teilzeit arbeitet, sagt: Ich mache das, weil ich mich um jemanden kümmern muss. Damit ist Österreich in der EU ganz vorne dabei.

Und: Es gibt kein EU-Land, in dem so viele Mütter in Teilzeit arbeiten, wie in Österreich.

Sich um Kinder zu kümmern, kostet nicht nur Zeit - sondern auch viel Geld. Weil Mütter weniger arbeiten können, erhalten sie weniger Pension und verlieren im Vergleich zu Vätern fast eine Million Euro über das gesamte Leben betrachtet:

Für all jene Frauen, die trotz der Entschuldigung von Christian Stocker immer noch wütend sind: Am 3. Mai 2027 wird in Österreich der nächste Frauen*Streik stattfinden. Alle Infos dazu gibt es hier.
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Sebastian
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