Guten Morgen!

Österreich ist Weltmeister der Halbherzigkeit. Dabei bleiben leider viele Menschen auf der Strecke. Wen es diesmal trifft, liest du im neuen Morgenmoment. Der kommt heute von Sebastian Panny.

#1 Möchtest du das teilen?

Frankreich protestiert und die bürgerliche Presse wütet. Dahinter versteckt sich ein Glaubenssatz, die Jean Philippe-Kindler und Max Leschanz in der aktuellen Folge von ZÜNDSTOFF anzünden:

#2 Besser geht doch

mRNA-Impfungen sind seit Corona vielen von uns ein Begriff. Bis zu 15 Millionen Menschenleben dürften sie während der Pandemie gerettet haben. Aber schon davor haben Wissenschaftler:innen große Hoffnungen in sie gelegt: Sie könnten auch die Behandlung von Krebs revolutionieren.

Jetzt gibt es erfreuliche Ergebnisse aus einer Studie zu einer mRNA-Impfung gegen Hautkrebs. In der dritten und letzten Studienphase mit 1.137 Patient:innen kam der Krebs bei geimpften Patient:innen deutlich seltener zurück als bei nicht geimpften. Die Impfung funktioniert dabei anders, als wir es gewohnt sind. Sie schützt nicht im Voraus vor Krebs, sondern ist Teil der Behandlung. In der Studie senkte der Impfstoff das Rückfallrisiko nach einer Operation um 42 Prozent.

Die Impfung hilft dem Immunsystem dabei, Krebszellen besser zu erkennen und zu bekämpfen. Dafür muss aber für jede Person ein individueller Impfstoff hergestellt werden. Diese individuelle Behandlung ist aktuell das größte Problem. Sie ist noch sehr teuer, da der Impfstoff nicht in großen Mengen erzeugt werden kann. Ein Durchbruch für alle wird es erst, wenn Hersteller die Behandlungskosten senken können.

Trotz dieser Herausforderung zeigen die Ergebnisse: mRNA-Impfungen können wirksam gegen Krebs eingesetzt werden. Bereits Ende 2027 könnte der Impfstoff zugelassen werden. An weiteren wird aktuell geforscht.

#3 Gut gemeint ≠ gut gemacht

Es ist eine gute Nachricht mit sehr großem Haken: Das Justizministerium bietet ab Jänner endlich ein Fortbildungsprogramm für Richter:innen und Staatsanwält:innen zum Thema Gewalt gegen Frauen an.

Aber: Diese Fortbildungen sind nicht Pflicht.

In der Istanbul-Konvention gegen Frauengewalt sind Fortbildungen für Berufsgruppen festgeschrieben, die häufig mit Gewaltopfern zu tun haben. Der Europarat fordert Österreich seit Jahren zur Umsetzung auf. Doch die wurde ewig diskutiert und verschleppt. Jetzt hat Österreich etwas umgesetzt - aber wieder nur halbherzig.

Die fehlende Pflicht bei Fortbildungen ist ein großes Problem. Die Auswirkung von Gewalt ist nämlich sehr unterschiedlich. Genau wie die Reaktion von Betroffenen. Ein Beispiel: Wenn Opfer erstarren, werten das schlecht ausgebildete Gerichte manchmal als Zustimmung. Dabei ist es eine völlig normale, mögliche Reaktion auf Gewalt.

Umso wichtiger ist es, dass sich Beschäftigte im Justizsystem mit den Auswirkungen von Gewalt auskennen. Eine freiwillige Fortbildung werden aber vor allem jene machen, die sich dafür interessieren. Dabei sollten sich gerade die fortbilden, die sich wenig damit beschäftigen. Österreich wehrt sich mit dem Argument, dass eine verpflichtende Fortbildung gegen die richterliche Unabhängigkeit verstoßen könnte. Fortbildungen gebe es ohnehin immer wieder.

In Österreich erlebt jede dritte Frau körperliche und/oder sexualisierte . Nur jede elfte Frau, die eine Vergewaltigung erlebt, erstattet auch Anzeige. Eine Minderheit davon endet in einer Verurteilung. 2024 gab es 1.355 Anzeigen und 128 Verurteilungen wegen Vergewaltigung.

#4 Event-Hinweis

ZÜNDSTOFF Live geht am 2. November in seine nächste Runde, diesmal dreht sich alles um das Thema “Hass im Netz”. Zu Gast in der Kulisse Wien sind Ingrid Brodnig und Christl Clear. Einige Tickets gibt es noch, du findest sie hier. P.S.: Wer Mitglied im Vorteilsclub der Stadt Wien ist, kann je 2 Tickets mit 20 % Rabatt erwerben.

Einen schönen Freitag

Sebastian

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