
Guten Morgen!
In was für einer Welt könnten wir leben, wenn … nein, nicht wenn Unwissenheit vor Strafe schützen würde. Sondern wenn Überreiche ihren Teil beitragen würden. Mehr dazu im aktuellen Morgenmoment, geschrieben von Sebastian Panny.
#1 Möchtest du das teilen?
ÖVP- und FPÖ-geführte Bundesländer wehren sich gegen neue Regeln zum Schutz unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Diese Erpressung auf dem Rücken schutzsuchender Kinder darf nicht erfolgreich sein, kommentiert Lukas Gahleitner-Gertz.
#2 In was für einem Land leben wir eigentlich?
Du willst jemanden niederschlagen? Kein Problem. Sag einfach, du hast nicht gewusst, dass das der Person wehtun würde. Ohne zu bezahlen aus dem Restaurant gehen? Easy: Du wusstest nicht, dass man bezahlen muss. Stand ja kein Schild da, das darauf hinweist.
Klingt absurd, doch die Staatsanwaltschaft Wien lässt diese Ausrede gelten – zumindest beim Versenden von Dickpics, wie der Standard recherchiert hat. Zwei Verfahren wurden eingestellt, obwohl die Beschuldigten geständig waren. Weil diese angeblich nicht wussten, dass ihr Verhalten strafbar ist. Und angeblich niemanden belästigen wollten. Einen weiteren Fall hat die Staatsanwaltschaft Krems eingestellt. Obwohl die Nachrichten des Beschuldigten nicht nur Dickpics, sondern auch Androhungen sexualisierter Gewalt enthielten.
Seit 1. September 2025 gibt es in Österreich neben einem generellen Verbot sexualisierter Belästigung auch einen eigenen Paragrafen, der das ungefragte Versenden von Dickpics unter Strafe stellt. Wenn Männer davon nichts wissen, darf sie das nicht vor einer Strafe schützen. Dass die Justiz Betroffene offenbar nicht schützen will, ist ein gefährliches Signal an potenzielle Täter. Sich gegen digitale Gewalt zu wehren, wird so noch schwieriger.
#3 In was für einer Welt leben wir eigentlich?
Überreiche verstecken so unfassbar viel Geld in Steuersümpfen, dass uns die Ideen ausgehen, wie man die Summen greifbar machen könnte. Drei Billionen Euro macht das Vermögen aus, das Überreiche laut einer neuen Oxfam-Studie in Steuersümpfen verstecken, um keinen fairen Anteil davon abgeben zu müssen. Wie zur Hölle soll man sich das noch vorstellen können?
Starten wir so: Wenn wir davon ausgehen, dass in eine Badewanne voller 100-Euro-Scheine 20 Millionen Euro passen, bräuchten wir 150.000 Badewannen, um auf den Wert des versteckten Vermögens zu kommen. Für eine dieser Badewannen müsste eine Person in Österreich im Durchschnitt rund 650 Jahre arbeiten.
Noch nicht ganz klar? Nächster Versuch: Österreich hat 2025 rund 283 Milliarden Euro ausgegeben. Überreiche könnten das Land also mehr als zehn Jahre lang am Laufen halten – nicht mit ihrem Gesamtvermögen, sondern alleine mit dem Geld, das sie steuerfrei geparkt haben.
Wie auch immer man vorgeht: Drei Billionen Euro bleiben eine unvorstellbare Summe. Rund 80 Prozent des Vermögens in Steuersümpfen entfallen übrigens auf die reichsten 0,1 Prozent der Haushalte. Dieses Tausendstel hält mehr Vermögen als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.
Die Studie erschien zum zehnjährigen Jubiläum der Panama Papers. Journalist:innen haben 2016 aufgedeckt, wie viel Geld reiche Menschen teils illegal in Steuersümpfen bunkern. Politiker:innen und Prominente waren genauso dabei wie Finanzinstitute.
Es gibt auch positive Entwicklungen: Überreiche lagern heute weniger unversteuertes Vermögen in Steuersümpfen als noch vor einigen Jahren. Grund ist ein automatischer Informationsaustausch, der 2016 eingeführt wurde. Man kann also etwas unternehmen.
Trotzdem lagert so viel Vermögen in Steuersümpfen, dass man es einfach nicht begreifen kann. Was wir uns sehr wohl vorstellen können: Was Staaten mit dem Geld machen könnten, wenn es versteuert würde. Etwa bessere Infrastruktur schaffen, gut finanzierte Sozialsysteme und bessere Schulen für alle.
Einen schönen Start ins Wochenende
Sebastian
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