Guten Morgen!

Es gibt ein Land, in dem alles möglich ist. Auch die Tatsache, dass eine Einreise bald nur mehr mit Schwangerschaftstest erlaubt sein könnte. Mehr über das Land der begrenzten Möglichkeiten im neuen Morgenmoment, der kommt heute von Sebastian Panny.

#1 Möchtest du das teilen?

Der Ruf nach mehr privaten Pensionen scheint nicht totzukriegen. Jetzt will Deutschland ihm nachgeben. Der Aktienmarkt boomt, also soll er die Renten finanzieren. So lautet das Versprechen, das die Finanz-Lobby herumposaunt. Aber private Pensionen bedeuten nicht nur mehr Risiko für Pensionist:innen - sie ändern das ganze Wirtschaftssystem und treiben einen Keil zwischen Pensionist:innen und Beschäftigte.

#2 Der Reihe nach

(Zu) viele Menschen nutzen ChatGPT, Claude und Co. als Suchmaschinen. Doch woher bekommt die KI eigentlich ihre Informationen?

Eine Studie zeigt jetzt: KIs benutzen nur sehr wenige Quellen. Und dieses Ungleichgewicht ist kein Zufall. Dafür haben die Autor:innen 675 Anfragen zu aktuellen Nachrichten an unterschiedliche KI-Systeme gestellt. Dann haben sie ausgewertet, welche Quellen die KI-Systeme in ihren Antworten zitiert haben.

Bei ChatGPT etwa kommen ein Drittel aller Quellenverweise allein von der rechtskonservativen Nachrichtenseite „welt.de“. Der Grund ist naheliegend: eine Kooperation zwischen OpenAI und dem Springer Verlag, dem neben der “Welt” unter anderem auch die „Bild” gehört. Geschäftsinteressen bestimmen also die Antworten.

Auch russische Trolle arbeiten gezielt darauf hin, KIs mit ihren Inhalten zu füttern. Teils mit Erfolg: Claude benutzt auch russische Fake-News-Seiten als Quelle.

Durch die übermäßige Nutzung konservativer oder Fake-News-Quellen sind die Antworten der KI stark verzerrt. Für die Nutzer:innen ist das oft nicht klar erkennbar. Die KI hat den fälschlichen Ruf, als Technik “neutral” zu sein. Die Meinungsbildung wird dadurch massiv manipuliert.

Wer entscheidet, welche Informationen wir sehen? Nach welchen Regeln wählen die KIs ihre Quellen aus? Die großen KI-Konzerne schweigen dazu.

#3 Dein Faschismus-Moment

Während Donald Trump den Waffenstillstand mit dem Iran aufkündigt, den Handel mit Spanien einstellen will und wieder Grönland übernehmen will (das alles waren nur die ersten Stunde des laufenden NATO-Gipfels), träumt seine MAGA-Bewegung aktuell davon, den Schwangerschaftsstatus von einreisenden Frauen zu kontrollieren – oder sie gleich zu sterilisieren.

In ihrer Vorstellung existiert nämlich so eine Art „Geburts-Tourismus“ von Menschen, die ihren Kindern die US-Staatsbürgerschaft erschleichen wollen. Denn in den USA gilt: Wer dort geboren wird, erhält die Staatsbürgerschaft. Doch wer nicht weiß ist, ist in Trumps Regime nicht erwünscht.

Trump wollte dieses “Birthright Citizenship” abschaffen. Das Höchstgericht hat ausnahmsweise und sehr knapp gegen seinen Plan gestimmt. Jetzt sucht Trumps Bewegung nach anderen Möglichkeiten. Führende Mitglieder der MAGA-Bewegung reden ganz offen im Fernsehen darüber, wie sie solche Geburten verhindern könnten. Und offenbaren dabei ihre Verachtung für Frauen und Migrant:innen. Sogar über Sterilisation fantasieren sie. Eine andere Möglichkeit: Jede Frau muss bei der Einreise einen Schwangerschaftstest machen. Weil nur dann gesichert ist, dass sie kein Kind zur Welt bringen während ihres Aufenthalts.

Von der Realität scheint das alles weit entfernt. Sind diese Debatten also wieder nur eine Strategie, um unsere Aufmerksamkeit von anderen Dingen abzulenken? Sollten wir Medien darüber besser gar nicht berichten? Das Problem ist: Diese „Flood the zone with shit“-Strategie hat in den USA längst eine neue Qualität erreicht.

Der beruhigende Gedanke „So schlimm wird es schon nicht werden“ hat unter Trump ausgedient. Egal ob Wahlmanipulation, Einschränkung von Frauenrechten oder offene Jagd auf PoC: Bisher wurden viele absurd erscheinende Befürchtungen Realität.

#4 Altpapier

Nichts ist so alt wie der Newsletter von gestern. Gestern haben wir an dieser Stelle noch darüber berichtet, dass Marine Le Pen aufgrund ihrer bestätigten Verurteilung nicht als Präsidentschaftskandidatin antreten wird. Wie sich nach Redaktionsschluss herausgestellt hat, hält Le Pen nicht so viel von ihrem eigenen Wort - und wird nun dennoch antreten.

Eigentlich hätte die Kandidatur an ihren politischen Ziehsohn Jordan Bardella gehen sollen. Denn das Berufungsgericht hat zwar ihre Strafe etwas herabgesetzt, eine Fußfessel muss Le Pen allerdings weiterhin tragen. Mit der werde sie nicht antreten, hatte sie zuvor noch betont. Das ist jetzt Schnee von gestern. Le Pen will mit Bardella als Tandem ins Rennen für die Präsidentschaft gehen. Wie genau das mit der Fußfessel funktionieren wird, ist unklar. Le Pen will aber auch gegen dieses Urteil nochmal Berufung einlegen. Schauen wir mal, was wird.

Einen schönen Donnerstag

Sebastian

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